

Wir können den Wald als „Teammitglied“ oder sogar als „mitwirkenden Pädagogen“ verstehen, weil er unseren Alltag und die Bildungsprozesse der Kinder ständig mitgestaltet – ohne dass wir Erwachsenen alles planen oder anleiten müssen.
Der Wald stellt Fragen, setzt Impulse und schafft Herausforderungen: Ein umgestürzter Baum lädt zum Klettern ein, eine Pfütze zum Experimentieren, eine Tierspur zum Forschen, Wind und Regen fordern dazu auf, Lösungen zu finden. Dadurch entstehen Bewegung, Sprache, Kreativität, Zusammenarbeit, Problemlösen und naturwissenschaftliches Denken oft ganz von selbst.
Gleichzeitig gibt der Wald unmittelbare Rückmeldungen. Ein Ast trägt – oder eben nicht. Ein Bauwerk hält – oder fällt zusammen. Ein Weg ist heute trocken und morgen matschig. Kinder erleben dadurch echte Zusammenhänge, Selbstwirksamkeit und Konsequenzen, ohne dass ein Erwachsener ständig bewerten oder korrigieren muss.
Auch der Rhythmus des Waldes wirkt auf unsere pädagogische Arbeit: Wetter, Jahreszeiten, Tiere, Pflanzen und Veränderungen bestimmen mit, was an einem Tag möglich, interessant oder notwendig ist. Wir Erwachsenen sind deshalb nicht allein diejenigen, die Bildungsprozesse initiieren. Wir beobachten, begleiten und greifen auf, was der Wald und die Kinder miteinander entstehen lassen.
Der Wald ist für uns nicht nur der Ort, an dem Pädagogik stattfindet. Er wirkt selbst an ihr mit.
